Kurze Einführung

übersicht

Erstmal will das Stundengebet vor allem den Tag durch Gebet strukturieren und "atmungsaktiv" machen: Innehalten, vor Gott verweilen, meditieren, den Tag in seine Hände zu legen und aus der Begegnung mit ihm neuen Lebensatem schöpfen. Dessen sollte man sich jederzeit bewußt sein. Es kann niemals darum gehen, bloßen Formeln oder liturgischen Vorschriften allein zu folgen. Vielmehr soll es primär ein persönliches, ein wirk-liches Gebet sein und sich so in die Schar all der Beter stellen, die SEIN Lob singen.

Elementarer Bestandteil des Tagzeitengebetes ist seit jeher, entsprechend jüdischer Tradition, der Psalmengesang. Er wird ergänzt um ausdeutende Gebete und Riten der christlichen Tradition. Den Rhythmus entlehnt das Tagzeitengebet dabei aus dem natürlichen Tag (Morgen - Mittag - Abend - Nacht) und der jüdischen bzw. klösterlichen Lebens- und Gebetsordnung.

Das tägliche Stundengebet nach dem Stundenbuch teilt sich daher in im wesentlichen 5 Einheiten:

Die einzelnen Tagzeitengebete sind wie folgt aufgebaut:

Tagzeit Invitatorium Laudes Vesper Terz - Sext - Non Komplet Lesehore
Eröffnung Herr, öffne meine Lippen.
Damit mein Mund Dein Lob verkünde.
O Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
O Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
O Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
O Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
O Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
Hymnus
Psalmodie
Lesung
Responsorium
Canticum aus dem Evangelium
Bitten/Fürbitten
Vaterunser
Te Deum
Oration
Abschluss
Invitatorium

Das Invitatorium steht am Anfang des täglichen Stundengebetes und daher in der Regel vor den Laudes. Es beginnt mit dem kleinen Kreuzzeichen auf den Lippen zu den Worten "Herr, öffne meine Lippen. - Damit mein Mund Dein Lob verkünde." Danach folgt ein Psalm, der antiphonisch vorgetragen wird. Nach sehr altem Brauch wird Psalm 95 (94) gebetet.

Laudes (matutinae)

Das "Morgenlob", was "Laudes matutinae" fast wörtlich übersetzt heißt, beginnt den Tag mit dem Lob Gottes. Es besteht aus einem Hymnus, der Psalmodie, Lesung mit Antwortgesang, dem Canticum "Benedictus" aus dem Evangelium sowie abschließenden Gebeten.

Kleine Horen: Terz - Sext - Non

Der Tag wird durch kurze Gebetszeiten unterbrochen: Eine Gebetszeit zur dritten (Terz), sechsten (Sext) und neunten (Non) Stunden. Von diesen Gebetszeiten ist für die zum Stundengebet verpflichteten eine Gebetszeit obligatorisch, weshalb diese auch veranfacht "Mittlere Hore" genannt wird. Auch diese Gebetszeit besteht aus Hymnus und Psalmodie und abschließendem Gebet.

Vesper

Das Abendlob beschließt das Tagewerk mit dem Lob Gottes. Es ist analog zu den Laudes aufgebaut und besteht aus einem Hymnus, der Psalmodie, Lesung mit Antwortgesang, dem Canticum "Magnificat" aus dem Evangelium sowie abschließenden Gebeten.

Komplet

Das Nachtlob ist das Lob Gottes unmittelbar vor der Nachtruhe. Es hat viele gleichbleibende Teile, so daß die Komplet auch auswendig gebetet werden kann. Sie besteht aus Rückschau auf den vergangenen Tag, Schuldbekenntnis, Hymnus, Psaalmodie, Lesung mit Antwortgesang, dem Canticum "Nunc dimittis" und dem abschließenden Gebet.

Das liturgische Jahr beginnt mit der ersten Vesper des 1. Adventssonntags und endet am Samstag der 34. Woche im Jahrekreis vor der ersten Vesper des 1. Advents. Das liturgische Jahr beginnt somit am 1. Advent des voraufgehenden Kalenderjahres. Es gliedert sich in in drei Zeiten:

Der Advent beginnt mit der ersten Vesper des 1. Adventssonntags und endet vor der ersten Vesper von Weihnachten (am 24. Dezember abends). Mit der ersten Vesper von Weihnachten beginnt die Weihnachtszeit, die bis zum Sonntag nach dem Hochfest Erscheinung des Herrn, nämlich dem Fest der Taufe des Herrn dauert. Dieses Fest bildet dann auch das Tor für die Zeit im Jahreskreis; der Sonntag gilt als 1. Sonntag im Jahreskreis.

Die österliche Bußzeit (Fastenzeit) beginnt mit dem Aschermittwoch und endet vor der Osternachtfeier. Mit der Osternachtfeier beginnt die Osterzeit. Am Gründonnerstag beginnt mit der Vesper das sogenannte "österliche Triduum": die drei Tage vom Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn, die eine Einheit darstellen. Das österliche Triduum endet mit der Vesper des Ostersonntags.
Die Osterzeit dauert 7 mal 7 Tage ("die große Osteroktav") bis zum Pfingssonntag. Ab dem Pfingstmontag beginnt wieder die Zeit im Jahreskreis - auch, wenn dieser Montag in Deutschland (bislang) noch Feiertag ist.

Welches "Offizium", also welches Tagzeitengebet an einem Tag man wählt, richtet sich nach dem jeweiligen liturgischen Tag im Kirchenjahr: Es ist entweder vom entsprechenden Tag des Kirchenjahrs oder von einem Heiligengedenktag. Diesen entnimmt man am besten einem liturgischen Kalender.