... und das WORT ist FLEISCH geworden ... (Joh 1,14)

Ein Wort, das ausgesprochen wird, ist in aller Regel doch eher etwas Flüchtiges. Etwas, was schnell ausgesprochen ist und schnell im Raum verhallt. Etwas, was unter den vielen Geräuschen, unter den vielen Worten, unter den menschlichen Lauten untergeht.

Und doch kennen wir Worte, Momente, in denen Worte uns ganz plötzlich berühren - und eine Macht auf uns ausüben. Sei es, dass sie uns wie ein Schwert durch die Körper gehen - sei es, dass Sie in uns positive Emotionen in uns hervorrufen. Nur ein einziges Wort vermag es, uns zu ermutigen, uns lebendig werden zu lassen, unsere Phantasie zu beflügeln, uns zum Handeln zu bringen. Manchmal ist uns aber auch die Wirkung eines Wortes nicht bewusst. Erst im Nachklang, wenn wir zur Ruhe gekommen sind, entfaltet es seine Wirkung. Setzt etwas in Gang. Mit einem Mal können wir etwas fassen, etwas klarer sehen. Ist ein Wort ein Schlüssel.

Aber das kann nur dann passieren, wenn wir aufmerksam sind, dem Wort erlauben, uns zu berühren, ohne uns aber gefangen zu nehmen. Offen sein für das Wort, für seine Bedeutung, für seinen Sub-Text, für seine sekundäre oder übertragene Bedeutung. Erst dann kann es seine wahre Wirkung entfalten, die in uns ankommt.


© Gabi Weiss: Das Wort ist Fleisch geworden,
Quelle: gabi-weiss.net

Im Johannesprolog, den ersten Worten des Johannesevangeliums, die gleichsam die Interpretation und Zusammenfassung in einem sind, begegnet uns das Wort, der Logos. Nach der griechischen Bedeutung des Wortes, ist hier nicht nur das bloße Wort gemeint. Gemeint ist hier eine Haltung, eine Persönlichkeit, eine Idee, ein Sinn, eine Grundlage, ein Bewusstsein.

Und in der Heilsgeschichte, so wie Johannes sie sieht und deutet, ver-körpert sich diese Haltung, diese Idee, der Geist, sie wird Fleisch. Etwas, das man anfassen, sehen und fühlen kann. Etwas, das lebendig und sterblich wird, Etwas, das sich berühren lässt. Etwas, das ebenso berührt und erfahrbar wird. Die Idee Gottes, seine Haltung äußert sich, teilt sich der "Welt" mit, liefert sich ihr aus. Sie wird zerbrechlich, abhängig, wächst und reift zu einem Leben in Fülle.

Was für eine Kraft ist hier am Werk! Und wie zerbrechlich macht sich Gottes Äußerung gegenüber den Menschen. Johannes verdeutlicht aber auch, dass nur diejenigen, die dieses Wort aufnehmen, die sich von ihm berühren lassen, diese Großartigkeit erahnen können und von ihr erfasst werden können, die sich darauf einlassen. Ein Wort, das im alltäglichen Gebrabbel untergehen kann, wenn man nicht seine Augen und Ohren öffnet.

Und erst im Berührtwerden, im Zuhören, in dem Sich-Einlassen wird die große Zuwendung Gottes zu den Menschen erkennbar: Gottes Zusage zu den Menschen, dass er der "Immanuel", "Jahwe", der "der da sein wird", ist. Das jede und jeder sich in ihm gehalten sehen und fühlen darf, dass diese Kraft, dass diese Zusage so warm und wirkmächtig ist, dass die "Welt" ihm am Ende doch nichts anhaben kann.

Das "Wort" Gottes bezeugt dies in seiner Auferstehung, Gott selbst bekräftigt dies als Voll-end-ung durch die Auferweckung seines Wortes, sein Heimholen zu sich. Der Eintritt in diese Welt darf daher nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Licht in der österlichen Botschäft und mit Blick auf sie. Weihnachten verweist somit immer auf Ostern - wo sich Gottes Wort als letztgültige Äußerung gegenüber der "Welt" manifestiert.

Lassen wir dieses "Wort" in uns nachklingen und auf uns wirken!

Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage!
Rühmet, was der Höchste heut getan!
Lasset das Zagen, verbannet die Klage!
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!